Der 5. Wurf:Estella, Fuchur, Gino und Haloumi

27.12.2024

Die Umstellung in eine neue Umgebung war für Lila nicht immer ganz leicht, aber es wurde von Tag zu Tag einfacher.

Am 1. Oktober war es dann endlich soweit. Seit Tagen schon erwarteten wir die anstehenden Wehen bei Lila und gegen den späteren Nachmittag dieses Dienstags kündigte sich mit dem Fruchtwasser auch die Geburt an. Wir hatten uns vorbereitet und waren bereit für alles, was kommen mochte. Naja, das dachten wir jedenfalls...

Unsere kleinen Stubsnasen kamen ganz zeitgemäss zur Welt. Nass, blind, taub und noch völlig abhängig von ihrer Mutter Lila.

10 Tage vor dem errechneten Geburtstermin hatten wir ein Röntgenbild beim Tierarzt machenlassen. Auf den Bildern konnte man sehr gut die Anzahl der Kitten anhand der deutlich erkennbaren Wirbelsäulen und Schädel abzählen, wie es im nebenstehenden Bild sichtbar ist. Dies konnte uns etwas Sicherheit geben, da wir so wussten, ob während der anstehenden Geburt ein Kitten stecken geblieben und gefährdet sein würde.

1, 2, 3, 4 kleine Skelette waren gut zu sehen. Wir wussten also die Anzahl der Kleinen und warteten freudig auf den Moment, in welchem sie zu uns kommen würden. Aber wie bereits angesprochen, ereignete sich nicht alles auf die Art, wie wir es uns vorgestellt hatten.


Lilas Schwangerschaft 

Die 9 Wochen von Lilas Schwangerschaft vergingen wie im Flug. Wir kümmerten uns in dieser Zeit so liebevoll um sie, wie nur möglich und gaben ihr viel Freiraum sich zu entfalten und sich an ihr neues Zuhause zu gewöhnen ohne sie dabei zu überlasten. Nachdem sie sich einige Wochen nur drinnen aufhalten durfte, um sich in unserem Haus auch daheim fühlen zu können, war es nun auch wieder an der Zeit, sie nach draussen gehen zu lassen. 

Anfangs erfolgte dies noch an der Leine und unter unserer Aufsicht. Wir wollten sicher gehen, dass ihr nichts passiert und dass sie nach Hause finden würde. Doch wir merkten sehr schnell, dass sie sich in unserem Garten wohlfühlte und liessen sie danach auch alleine auf Entdeckungstour in der gesamten Nachbarschaft gehen.

Die Geburt:

Zuerst lief noch alles ganz planmässig ab. Kurz nachdem das Fruchtwasser kam, legten wir Lila in ihre Wurfbox, woraufhin bald auch schon das erste Kätzchen, ein schneeweisses Weibchen, von Lila erschien, welches heftig abgeleckt und mit den regelmässigen Bewegungen der rauen Zunge von Lila warmgehalten wurde. Auf das raue Lecken reagierte es schon schnell mit heftigem Gequietsche und hohen Maunzern. Ein gutes Zeichen. Doch kurze Zeit später, als Lila bereits die erste von insgesamt 4 Nachgeburten aufgegessen hatte, lag plötzlich etwas Schwarzes in der Nähe ihrer Hinterbeine. Erst dachte ich, dass die Plazenta eines weiteren Kittens fälschlicherweise vor dem nächsten Kätzchen herausgekommen sei, doch nach ein paar genaueren Blicken erkannte ich, dass es sich dabei um ein Jungtier handeln musste. In diesem Moment drehte sich mir der Magen um und die ganze Welt schien sich vor meinen Augen aufzulösen. Eine Totgeburt.

Nein, zum Glück hatte ich mich getäuscht. Nachdem ich aus meinem kurzzeitigen Schockzustand kam und erneut etwas genauer hinsah, erkannte ich, dass sich die Flanken des kleinen, nassen und klebrigen Fellhaufens hoben und senkten. Es atmete. Das Kitten atmete. Aber warum ist es schwarz? Wieso ist es nicht weiss, wie alle Ragdoll-Kitten? Habe ich einen Fehler gemacht? Ist es womöglich einfach nur mit älterem Blut bedeckt? Ich hatte so viele Fragen...

Für Antworten gab es in diesem Moment noch keine Zeit, denn es wurden immer noch 2 weitere Kitten von uns erwartet, um welche wir uns kümmern mussten. Die ersten beiden Kätzchen lagen behutsam am Bauch von Lila. Das weisse Weibchen und das schwarze Männchen. Nicht all zu lange Zeit später, folgten auch schon die anderen beiden Fellknäuel. Zur Überraschung aller waren sie genauso komplett schwarz und dunkel, wie es das zweite war. Beide ebenfalls Katerchen. Doch wie ihr Fell aussah und welches Geschlecht sie trugen, war mir in diesem Moment überhaupt nicht wichtig. Hauptsache sie atmeten alle und wurden mit der nahrhaften Milch von Lila an ihrem warmen Bauch versorgt und behutsam und fürsorglich von ihrer Mama abgeleckt und umsorgt. Als dann die letzte Plazenta ausgeschieden und von Lila aufgefressen wurde, war die Geburt nach rund 4.5h vorbei und unsere Familie ist um 4 gesunde und starke Katzenkinder grösser geworden.


Lila mit ihren vier Kitten direkt nach der Geburt
Lila mit ihren vier Kitten direkt nach der Geburt
Haloumi, Estella und Fuchur
Haloumi, Estella und Fuchur
Estella und Haloumi
Estella und Haloumi

Die Kitten:

Gute 12 bis 14 Wochen müssen Kitten bei ihrer Mutter bleiben um artgerecht aufzuwachsen und möglichst gut sozialisiert zu werden, sagt man unter Katzenzüchtern. 

In den ersten 4 bzw. 5 Wochen nach der Geburt, durfte ich mich zwar auch noch etwas zurückhalten mit der Pflege rund um die Kleinen, da diese noch völlig von ihrer Mama umsorgt wurden und so wenig wie möglich gestört werden sollten. Ich behielt die kleine Familie dennoch gut im Auge, um ihr Wohlergehen garantieren zu können. Sie sind in dieser Zeit damit beschäftigt sich körperlich fertig zu entwickeln und noch so jung, dass sie gar nicht dazu in der Lage wären zu stehen, zu spielen oder kleine Spässe mit einem zu treiben. 

Die ersten 2 Wochen sind die Kitten noch ganz blind, bis sie ihre Augen endlich öffnen. Kurz darauf vernehmen sie erste Geräusche und beginnen sich auch mehr und mehr von selbst auf den Pfoten zu halten. Dies geschah bei uns rund ab der 3. Woche ihres Lebens. Jedoch noch sehr unsicher und äusserst tollpatschig unternahmen sie ihre ersten Gehversuche. Ab der 4. bis 5. Woche haben sie sich schon soweit entwickelt, dass sie die ersten Bissen vom Trockenfutter und die ersten eigenen Schlückchen Wasser wagen wollten. Rund ab der 5. bis 6. Woche war es dann soweit. Die wahre Action fing an, denn ab dem Moment, wo die Kleinen versuchten sich ihren Weg durch die Welt zu bahnen, zuerst immer noch auf wackeligen, kleinen Pfötchen, aber unglaublich schnell lernend und sich entwickelnd, begann auch der ganze Prozess des Aufpassens und der Überwachung für mich.

Kaum hatten sie einigermassen das Gleichgewicht gefunden und die Kraft in ihren flauschigen Körpern entwickeltet, war ihre Neugierde geweckt und der Entdeckungsdrang hoch. Die Erkundungstouren konnten beginnen. Hatten sie genug von einem Ort gesehen, mussten weitere Orte erklommen und erobert werden. Bald schon war die Absperrung, die wir in meinem Zimmer für sie errichtet hatten, nicht mehr hoch genug und sie sprangen leichtfüssig darüber hinweg. Wenige Tage nachdem sie sich frei in meinem Zimmer fortbewegen durften, wollten sie auch schon die Welt ausserhalb meines Schlafzimmers entdecken und machten uns dies auch deutlich klar. Wir versuchten sie zwar noch einige Male drinnen zu behalten, doch wir mussten es uns irgendwann eingestehen, dass sie wohl doch früher als geplant weitere Plätze erkunden sollten und wir erweiterten ihren Auslaufsradius.

Anfangs war die Situation mit unseren Maine Coon Katern und Lila noch etwas schwer, da die Mama-Instinkte immer mal wieder zu heftigen Auseinandersetzungen führten. Da Lila aber eine Katze ist, die lediglich laut wird und niemals kratzt oder beisst, geschah auch nie etwas wirklich Gefährliches. Mit jedem Tag lief es besser und besser und die Kleinen wuchsen zu starken Jungkatzen heran. Ich verbrachte viel Zeit damit, mit ihnen zu spielen und im gesamten Haus herumzurennen, damit sie unterhalten werden konnten. Wobei sie sich auch gut von alleine untereinander jagen und bespielen konnten, wenn sie noch überschüssige Energie hatten, was eigentlich auch der Regelfall war.  

Fuchur und Gino
Fuchur und Gino
Estella
Estella
Haloumi und Estella
Haloumi und Estella

Ihr neues Zuhause

Ich wusste noch nicht von Anfang an, ob ich eines der Kitten selbst behalten wollen würde oder doch alle weitergegeben werden sollten. Doch im Verlaufe der Wochen hatte ich mich plötzlich dabei ertappt, wie ich mich in Estella, die Erstgeborene, verliebt hatte. Die Entscheidung sie auch wirklich selbst zu behalten fiel mir enorm schwer. Ich wusste/weiss um die bestehende Gefahr Bescheid, dass Lila sich eben in der Vergangenheit nicht gut mit anderen Kätzinnen verstanden hat. Das Risiko besteht daher nun mal, dass sich die beiden im Verlaufe der Zeit nicht mehr untereinander vertragen werden, sei es wegen territorialer oder persönlicher Streitereien. Doch mein Kopf kann noch so rational denken, mein Herz hatte sich in die kleine, dunkle Fellnase mit ihren weissen Söckchen Hals über Kopf verliebt.  

Alle Katzenkinder von Lila sind enorm energiegeladene Schmusekatzen und wurden gemeinsam sozialisiert und geprägt, so dass ich es mir nur schwer vorstellen kann, dass sie ein Leben als Einzelkatzen wirklich geniessen könnten. Sie alle waren voneinander abhängig, liebten das gemeinsame Spielen und Herumtoben. Sie getrauten sich mutig voneinander angetrieben an neue Orte, schätzten die geschwisterlichen Streiche untereinander und nervten neckisch unsere grossen Maine Coone Kater beim Dösen. Dazwischen sausten sie rücksichtslos wie Blitze durch das gesamte Haus, um sich gegenseitig zu jagen und verbrachten gerne ihre Ruhezeiten zusammengekuschelt als ein schnurrender Haufen Fell im Katzenbaum. 

Es war also nach einer Weile des Ungewissens klar, dass Estella bleiben und die anderen 3 Jungs - Fuchur, Gino und Haloumi - weitervermittelt werden würden. Wir hatten schon im Voraus einige interessierte Familien in unserem Umfeld, (welche bereits Katzen besassen) und sich zuvor schon bei uns gemeldet hatten, um eine weitere Fellnase in ihrem Zuhause aufzunehmen. Nach einigen Besuchen jener, konnten dann ab der 13. Lebenswoche Fuchur und Haloumi in ihr jeweils neues Zuhause gebracht werden, wo sie freudig und mit viel Liebe aufgenommen wurden und ihr Leben in einem neuen Umfeld starten konnten. 

Die Weitervermittlung von unserem 3ten Katerchen Gino ist noch immer eine etwas erschwerte Aufgabe. Für ihn suchen wir noch immer nach einem geeigneten neuen Zuhause, welches ihm neben liebevollen menschlichen "Eltern" auch mindestens eine weitere Katze zur Seite stellt. Gino wuchs mit 3 lebhaften Geschwistern auf und meiner Ansicht nach, sollte er sein weiteres Katzenleben eben nicht alleine verbringen müssen. 

(Stand: Mitte Januar 2025)

Während der Zeit des Aufwachsens bei uns, gab es natürlich genügen Möglichkeiten für mich und meine Eltern, sich mit der Fellfarbe der drei Buben zu beschäftigen und sich darüber auszutauschen, was geschehen sein mochte. Wir hatten einige Theorien.

Wir liessen beim ersten Tierarzttermin dann zwar auch einen DNA-Test machen, doch jetzt im Nachhinein wäre jener nie von Nöten gewesen. Wo wir uns sicher sind, dass Estella eine reinrassige Ragdoll-Kätzin ist - die Tochter von Lila und Herrn Bean - sind wir ebenfalls der Überzeugung, dass die Brüder von ihr eigentlich nur Halbgeschwister sind und der Vater ein anderer ist. Zurückzuführen ist dies wohl auf eine vermutlich nicht ganz so erfolgreiche Kastration des Maine Coon Katers von der ehemaligen Besitzerin von Lila. Dies war für uns jedendoch überhaupt nicht von Bedeutung oder hoher Relevanz. Wir schlossen die Racker unabhängig ihrer Rasse in unsere Herzen, denn schlussendlich ist es egal, was passiert war und wer welchen Vater hat, Hauptsache die Kleinen würden glücklich aufwachsen und gesund gross werden.

Fuchur, Gino, Haloumi und Estella
Fuchur, Gino, Haloumi und Estella
Mama Lila mit Tochter Estella
Mama Lila mit Tochter Estella

Wie geht es weiter?

Die 9 Wochen von Lilas Schwangerschaft und die rund 14 Wochen des Aufziehens der Kitten waren ein unglaublicher Aufwand für mich und haben mir viele neue Eindrücke gegeben und viel Erfahrung gebracht. Gleichzeitig kostete mich die Zeit auch viele Nerven. Ich hatte zahllose schlaflose Nächte und brauchte manchmal auch einfach eine Pause, um mich selbst einwenig vom ganzen Trubel erholen zu können. Auch wenn ich Fuchur, Gino und Haloumi alle in mein Herz geschlossen habe und sie letzten Endes weitergegeben habe, bin ich nun doch auch froh, wieder etwas mehr Zeit für mich zu haben, beziehungsweise den Fokus mehr auf Lila und Estella legen zu können. 

Da Lila seit ihrem Einzug bei uns nie wirklich ihre Ruhe hatte und bereits trächtig zu uns kam, wollen wir ihr für die nächste Zeit die Möglichkeit geben, sich von der Mutterzeit zu erholen und einfach Katze sein zu können. Wir werden also eine Weile mit einem nächsten Wurf warten, damit sie sich vollständig und unter weniger stressigen Umständen bei uns einleben kann.

Gleichzeitig starte ich mit Estella ein eigenes kleines Projekt, indem ich mit ihr eine Art Training beginnen möchte. Dazu werde ich im Verlaufe der Zeit ebenfalls weitere Blogbeiträge posten, in welchen ich zeigen und erzählen werde, was ich ihr beibringe und was wir zusammen unternehmen. Spaziergänge, Tricks, Ausflüge, Cafe-Besuche, Velofahrten? Mal schauen, wie weit wir kommen...


Estella
Estella

Bilder von Lila mit Estella, Fuchur, Gino und Haloumi